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Knappes Nein zur Nachhaltigkeitsinitiative, alles offen beim Zivildienstgesetz
Zürich, 3. Juni 2026 – 20 Minuten und Tamedia haben auf ihren Newsportalen die zweite Welle der titelübergreifenden Umfrage im Vorfeld der eidgenössischen Abstimmung vom 14. Juni 2026 durchgeführt. 20’193 Personen aus der ganzen Schweiz haben am 27. und 28. Mai online an der Umfrage teilgenommen. Der Fehlerbereich liegt bei 1,1 Prozentpunkten.
Nachhaltigkeitsinitiative verliert an Zustimmung
Die Volksinitiative «Keine 10-Millionen-Schweiz! (Nachhaltigkeitsinitiative)» wird zum aktuellen Zeitpunkt von einer knappen Mehrheit der Stimmberechtigten abgelehnt (52 Prozent Nein bei 47 Prozent Ja und 1 Prozent Unentschiedenen). Verglichen mit der ersten Welle im April 2026 fällt die Zustimmung damit fünf Prozentpunkte tiefer aus. Die Vorlage polarisiert sehr stark zwischen links und rechts und es zeichnet sich eine hohe Stimmbeteiligung ab.
Die deutlichsten Unterschiede in der Stimmabsicht zeigen sich in der Auswertung nach Parteisympathie: Die SVP-Basis unterstützt die 10-Millionen-Schweiz-Initiative geschlossen (95 Prozent Ja). Links-grüne Wählende sind hingegen sehr klar dagegen: Die Basis der SP lehnt die Initiative deutlich ab (88 Prozent Nein), bei der GPS liegt der Nein-Anteil bei 82 Prozent und bei der GLP bei 81 Prozent Nein. Diese Ablehnungswerte sind im Vergleich zur 1. Welle gestiegen, genau wie bei der Basis der FDP und der Mitte. Bei den FDP-Wählenden ist die Zustimmung von 54 Prozent Ja in der 1. Welle auf 47 Prozent gesunken (minus 7 Prozentpunkte). Noch stärker ist die Veränderung bei der Wählerschaft der Mitte, die das Anliegen mittlerweile klar mit 61 Prozent Nein abgelehnt. Das sind 11 Prozentpunkte mehr als in der 1. Welle, als nur 50 Prozent Nein stimmen wollten.
Die Initiative wird in der Deutschschweiz knapp abgelehnt (50 Prozent Nein), in der Romandie deutlich (56 Prozent Nein). Die Zustimmung bei den Frauen ist im Vergleich zur 1. Welle um 9 Prozentpunkte auf 45 Prozent Ja gesunken und ist nun leicht tiefer als bei den Männern (49 Prozent Ja). In den Auswertungen nach Bildung und Einkommen zeigen sich deutliche Unterschiede: Je höher das Bildungsniveau und je höher das Einkommen, desto tiefer fallen die Ja-Anteile aus.
Die Befürworterinnen und Befürworter der Vorlage überzeugen zwei Argumente. Zum einen sei nach einem Ja zur Initiative weiterhin eine Nettozuwanderung von rund 40’000 Personen pro Jahr möglich, was für die Bedürfnisse der Wirtschaft ausreichend sei. Zum anderen bedrohe die Zuwanderung die Sicherheit der Schweiz. Bei Gewalttaten seien Ausländer und Eingebürgerte massiv überrepräsentiert. Für die Gegnerschaft der 10-Millionen-Schweiz-Initiative steht vor allem ein Argument im Vordergrund: Die Initiative führe zur Kündigung der bilateralen Verträge mit der EU, unserem wichtigsten Handelspartner, mit gravierenden Konsequenzen für die exportorientierte Schweizer Wirtschaft.
Die Umfrage war bis Donnerstag, 28. Mai 2026 um 14.00 Uhr online zugänglich, was vor der umfangreichen Berichterstattung zum Messerangriff in Winterthur war.
Gleichstand beim revidierten Zivilschutzgesetz
Die Ja- und Nein-Anteile liegen beim Zivildienstgesetz mit je 48 Prozent in der zweiten Welle gleichauf (4 Prozent Unentschiedene). Das Anliegen wird von einer deutlichen Mehrheit der Wählerschaft von FDP, SVP sowie der Mitte unterstützt (68 Prozent, 71 Prozent bzw. 56 Prozent Ja). Umgekehrt wird das Gesetz von den links-grünen Wählenden sehr klar abgelehnt. Die Zustimmungswerte sind bei der GPS- und SP-Basis bei sehr tiefen 15 Prozent. Bei den GLP-Wählenden liegt der Ja-Anteil bei 31 Prozent.
Die Zustimmung ist auf dem Land (53 Prozent) höher als bei Personen, die in der Stadt wohnen (40 Prozent). Auch bei Geschlecht, Bildung und Alter zeigen sich Unterschiede in der Stimmabsicht. Der Ja-Anteil liegt bei den Frauen lediglich bei 41 Prozent, während 54 Prozent der Männer der Vorlage zustimmen. Wählende in der tiefsten Bildungskategorie unterstützen die Revision des Zivildienstgesetzes (56 Prozent Ja). Personen mit hoher Bildung lehnen die Vorlage hingegen ab (36 Prozent Ja). Zudem geniesst das Gesetz einen relativ schwachen Rückhalt bei den Jungen (43 Prozent Ja), während die Zustimmung in der ältesten Bevölkerungsgruppe am grössten ist (51 Prozent Ja).
Für die Befürwortenden steht das Argument im Zentrum, dass der Zivildienst heute zur bequemen Alternative geworden sei, obwohl laut Verfassung keine Wahlfreiheit zwischen Militärdienst und Zivildienst bestehe. Die Gegnerschaft lehnt die Vorlage insbesondere deshalb ab, weil Zivildienstleistende wichtige Aufgaben für den sozialen und kulturellen Zusammenhalt erfüllen. Spitäler, Pflegeheime, Bergbauern und Schulen seien auf sie angewiesen.
Beteiligte Medien
Deutschschweiz: 20 Minuten, BZ Berner Zeitung, Der Bund, Tages-Anzeiger, Basler Zeitung, SonntagsZeitung und ZRZ Zürcher Regionalzeitungen;
Romandie: 20 minutes, 24 heures, Tribune de Genève, lematin.ch und Le Matin Dimanche;
Tessin: 20 minuti
Kontakt
Franziska Lurk, Kommunikation Tamedia
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