Was interessiert die Jugendlichen, welche Medieninhalte wünschen sie sich, welche digitalen Plattformen nutzen sie? Dies und vieles mehr will Tamedia direkt von den Jungen erfahren – im «Tages-Anzeiger Youth Lab». Ab Mitte September 2021 besuchen 30 Jugendliche während vier Monaten wöchentlich die Redaktion in Zürich und gestalten in Workshops die Zukunft des Qualitätsjournalismus mit.

Was interessiert die Jugendlichen, welche Medieninhalte wünschen sie sich, welche digitalen Plattformen nutzen sie? Dies und vieles mehr will Tamedia direkt von den Jungen erfahren – im «Tages-Anzeiger Youth Lab». Ab Mitte September 2021 besuchen 30 Jugendliche während vier Monaten wöchentlich die Redaktion in Zürich und gestalten in Workshops die Zukunft des Qualitätsjournalismus mit.

Tamedia will die Interessen und Bedürfnisse der Jugendlichen besser verstehen und von ihnen erfahren, was sie von der Medienwelt halten und welche Ansprüche sie an ein Newsmedium stellen. Nach der erfolgreichen Lancierung und Durchführung des «20 Minuten Youth Lab» vor drei Jahren, lädt nun der Tages-Anzeiger eine Gruppe Jugendlicher zu Workshops in der Redaktion in Zürich ein. Dort werden Mitarbeitende des «Tagi» sowie aus der Redaktion Tamedia gemeinsam mit ihnen über ihre Erwartungen an den Journalismus diskutieren und neue, innovative Ideen kreieren. Die 30 Jugendlichen kommen aus der ganzen Schweiz, sind zwischen 15 und 19 Jahre alt und konnten sich gegen insgesamt 85 Mitbewerberinnen und -bewerber durchsetzen. 

Initiiert wurde das Projekt von Präsident und Verleger Pietro Supino sowie Marco Boselli, Co-Geschäftsführer von Tamedia. Verantwortet wird das Projekt intern von Katharina Graf, Leiterin Blogs bei der Redaktion Tamedia und Adrian Zurbriggen von der Chefredaktion Tamedia. Unterstützt wird das Team ausserdem von den Co-Chefredaktoren des Tages-Anzeigers, Priska Amstutz und Mario Stäuble.

Konzipiert wurde das  «Tages-Anzeiger Youth Lab» von Sandra Cortesi, die auch die Umsetzung eng begleitet. Die in Kolumbien aufgewachsene Schweizerin leitet seit dreizehn Jahren das Youth & Media Projekt am Berkman Klein Center for Internet & Society an der Harvard University. Sie verfügt über eine mehrjährige Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Jugendlichen und unterstützte bereits das «20 Minuten Youth Lab». 

Sandra Cortesi und Katharina Graf beantworten vier Fragen zum Tages-Anzeiger Youth Lab. 


Was erhofft sich Tamedia vom Tages-Anzeiger Youth Lab?

Katharina Graf: Wir möchten die Bedürfnisse unserer zukünftigen Leserschaft kennenlernen. Wie können wir junge Menschen  an unsere Zeitungen heranführen? Was braucht es, damit sie uns sehen, lesen, vielleicht sogar abonnieren? Zudem möchten wir gemeinsam mit den Jugendlichen frische Ideen erarbeiten, die auch für unsere heutige Leserschaft einen Mehrwert bieten könnten. Denn in die Welt von jungen Menschen einzutauchen und uns ihre Bedürfnisse erklären zu lassen, kann für uns alle enorm anregend und bereichernd sein.


Wieso ist es für ein Bezahlmedium wie den Tages-Anzeiger wichtig, eine Jugendperspektive einzunehmen?

Katharina Graf: Der «Tagi» soll keine Jugendzeitung werden, das ist klar. Doch junge Menschen verwenden Technologien und Informationsmedien oft auf unerwartete und auf uns eher unbekannte Weise. Ihre Perspektive einzunehmen, kann helfen, mit frischem Blick auf unser Tagesgeschäft zu blicken. Es kann sowohl eine Anregung für neue journalistische Inhalte und Formate, als auch für neue Produkte, Features oder Abomodelle sein. Darüber hinaus erachten wir das Youth Lab zudem als Möglichkeit, um Konzepte wie Qualitätsjournalismus, Vertrauen oder Privatsphäre zu hinterfragen und allenfalls neu zu interpretieren.


Wie informieren sich Jugendliche heute und welche Rolle kann ein Tages-Anzeiger dabei spielen?

Sandra Cortesi: Jugendliche informieren sich heute weniger über traditionelle Medien wie TV, Radio und Zeitungen, sondern primär über soziale Medien wie Instagram, TikTok, Youtube oder Whatsapp. Fragt man sie nach den Gründen, tauchen häufig die Stichworte «Verständlichkeit» und «Relevanz» auf. Viele junge Menschen fühlen sich von einem Grossteil der Zeitungsartikel schlicht nicht angesprochen – sei es wegen der Sprache, weil ihnen der Überblick zum Thema fehlt, oder die Alltagsrelevanz nicht sichtbar ist. Zugleich fehlt es jungen Menschen an spezifischen Inhalten. Zukünftig könnten das Inhalte sein, die von einem Tages-Anzeiger Angeboten werden. 


Welche neuen Chancen haben sich denn für 20 Minuten nach dem Durchführen des Youth Labs ergeben?

Sandra Cortesi: Aus dem «20 Minuten Youth Lab» heraus sind mehrere konkrete Produktideen entstanden. Zum Beispiel die Übersichtsboxen zu Beginn aller Artikel, die seither verwendet werden und nicht nur bei der jungen Leserschaft sehr gut ankommen. Das Youth Lab war zudem eine super Chance, um neue Talente zu finden. Mehrere Teilnehmende haben danach bei 20 Minuten ein Praktikum gemacht oder sogar eine Vollzeitstelle angenommen. Gleichzeitig war das Youth Lab ein innovatives und inspirierendes Projekt – für alle Teilnehmenden (inklusive der Erwachsenen), aber auch innerhalb der Schweizer und internationalen Medienlandschaft. So wurde das Youth Lab beispielsweise im SRF Medienclub diskutiert, aber auch in mehreren Berichten als Vorzeigemodell präsentiert. 

https://youthlab.tagesanzeiger.ch/

Katharina Graf
Sandra Cortesi